Erdbeerschleck & Schwarzwaldliebe: Unser Leben im Kinzigtal

Bild von einem Glas Marmelade im Schwarzwald

Warum wir das Kinzigtal lieben (auch wenn’s hier Schnooge* gibt)

Vor fünf Jahren sind wir ins Kinzigtal gezogen. Nicht wegen eines großen Plans, sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Und weil’s hier schön ist. Also so richtig schön – mit Wäldern, Hügeln, ehrlichem Vesper und sehr, sehr netten Menschen.

Falls du dich fragst, was das mit Design zu tun hat: Nichts. Oder alles. Denn gutes Design beginnt da, wo man sich zuhause fühlt – mit Erdbeerschleck auf dem Brot und Ideen im Kopf. Und genau so war’s: Erdbeerschleck war dieses eine Wort, das mich erwischt hat. Und plötzlich wusste ich – darüber muss ich schreiben. Denn manchmal reicht ein einziger Ausdruck, um dich daran zu erinnern, wie sehr du angekommen bist.

Was ist eigentlich „Erdbeerschleck“ – und warum will ich darin baden?

Bild wie Erdbeerschleck gekocht wird.

Hier im Kinzigtal heißt Erdbeermarmelade nicht Marmelade. Sondern: Erdbeerschleck. Und das ist nicht einfach ein Wort. Das ist ein Versprechen. Wenn dir jemand hier Erdbeerschleck anbietet, dann weißt du:

  • die Erdbeeren waren reif,
  • der Topf hat geköchelt,
  • das Glas wurde liebevoll beschriftet,
  • und irgendwo im Hintergrund lief SWR4.


Und das Allerbeste? Ich hab mein eigenes Rezept entwickelt. Erdbeerschleck mit Himbeeren. Zwei rote Früchtchen. Ein Topf. Keine Gnade. Ich sag’s wie’s ist: Dieser Fruchtaufstrich kann dein Leben verbessern.

Und weil Teilen bekanntlich schöner ist als nur drüber reden – das Rezept findest du gleich hier im Anschluss.

Kinzigtäler Dialekt – klingt wie Heimat, schmeckt wie Vesper

Hier wird nicht geschnattert – hier wird g’schwätzt. Und zwar mit Wörtern, die selbst Google Translate rot anlaufen lassen. Dialekt ist hier nicht altmodisch – er ist identitätsstiftend. Deshalb hab ich dir hier eine Liste von Wörtern in einer kleinen Liste zusammengestellt – zum Mitschwätze, Drüberschmunzle und Weitersagen.
DialektwortAussprache (IPA)HochdeutschKommentar
Erdbeerschleck[ˈɛʁt.beːɐ̯.ʃlɛk]ErdbeermarmeladeSo süß wie der Name – ganz ohne Konfitürekonferenz. 🍓
Schnaigen[ˈʃnaɪ̯.gn̩]NaschenHeimliches Probieren mit Genuss-Absicht.
Schniefferle[ˈʃniː.fɐ.lə]Kleines RestchenZu schade zum Wegwerfen – zu wenig für den Tupperdeckel.
Brägele[ˈbrɛː.gələ]BratkartoffelnGoldbraun, knusprig, mit Bräunungseffekt deluxe.
Schlabberle[ˈʃlabɐ.lə]LätzchenPflichtausstattung für Schleckaktionen.
Schnoog*[ʃnoːg]MückeDie kleinen Flugnervensägen des Sommers.
Gruscht[ɡʁuʃt]KrimskramsAlles, was „man irgendwann mal brauchen könnte“.
Finken[ˈfɪŋ.kŋ̩]HausschuheImmer nur EINER da, wenn man’s eilig hat.
Anke[ˈaŋ.kə]ButterOhne Anke isch’s bloß a trockens Weckle. 🧈
Tschoben[ˈtʃoː.bn̩]Jacke„Zieh dei Tschobe o – es zieht wie Hechtsuppe!“
Grisenwässerle[ˈɡʁiː.zn̩.vɛ.sɐ.lə]KirschwasserWärmt von innen, macht Kuchen stark. 🍒
Guller[ˈɡʊ.lɐ]HahnMorgens: der Boss vom Dorf.
Buchnabel[ˈbuːχ.naː.bl̩]BauchnabelLieblingswort in der Kinderarztpraxis.
Goschenhobel[ˈɡɔ.ʃn̩.hoː.bl̩]MaultrommelKlingt wie Werkzeug – ist Musik.
Verschnufeckle[fɛʁ.ˈʃnuː.fɛk.lə]RuheplätzchenDer gemütlichste Winkel auf der ganzen Welt. 🌲
Weckle[ˈvɛk.lə]BrötchenOhne geht nix.
Bleche[ˈblɛ.çə]Bezahlen„Wer isch mim bleche dra?“ – Klassiker im Gasthaus.
Beiz[baɪ̯ts]Kneipe / WirtschaftGibt’s in jedem Ort. Und wenn nicht, fehlt was.
Haafe[ˈhaː.fə]KochtopfDas Ding, in dem Schleck entsteht.
Gugge[ˈɡʊɡ.gə]TütePraktisch, raschelt, immer zu klein.
Huddle[ˈhʊ.dl̩]Eile, Hektik„Numme net huddle“ = Lebensmotto des Schwarzwalds.
Bäuerle[ˈbɔɪ̯.ɐ.lə]Rülpser„Mach kei Bäuerle am Tisch!“ – bei Oma verboten.
A guete Zit, ihr Lit![a ˈɡuə̯.tə tsɪt iːɐ̯ lɪt]Habt eine gute Zeit, Leute!Sympathischer kann man sich nicht verabschieden. ❤️

Tipp: Wer diese Wörter locker im Gespräch unterbringt, bekommt automatisch ein Stück Schwarzwaldkuchen extra. (Okay, nicht offiziell. Aber gefühlt.)

Haslach, da wo wir gerne sind!

Haslach im Kinzigtal

Wir leben in Haslach. Und auch wenn wir längst nicht jeden kennen – es gibt so eine Grundfreundlichkeit, die uns gleich aufgefallen ist. Viele Menschen grüßen sich einfach. Manchmal mit einem Kopfnicken, manchmal mit einem „Guten Tag“. Das kam sofort sympathisch rüber – und hat uns von Anfang an das Gefühl gegeben, angekommen zu sein.

Aber nicht nur das: Haslach ist kompakt, charmant und praktisch. Hier haben wir alles direkt vor der Haustür – und meinen das ganz wörtlich. Vom regionalen Obst bis zum kleinen Kino. Vom Schwimmbad bis zur Lieblingsbäckerei. Vom Spazierweg in den Wald bis zur ruhigen Lebensweise, die man oft erst zu schätzen weiß, wenn man sie hat.

Wir genießen Haslach. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Oberwolfach – das stille Highlight mit Bären und Herz

Foto ©Jakob Wolber
Oberwolfach sieht aus wie eine Postkarte – nur ohne Filter. Dort gibt’s nicht nur tolle Menschen (Gruß an meine Lieblingskund:innen!), sondern auch: echte Bären. Und Wölfe. Im Alternativen Wolf- und Bärenpark leben gerettete Tiere, die dort endlich wieder sie selbst sein dürfen – ohne Zirkus, ohne Käfig, mit Blick auf die Tannen. Ein Ort voller Respekt, Natur und Ruhe – genau wie der Rest des Kinzigtals. Und ja: Ich bin jedes Mal wieder ein bisschen verknallt, wenn ich dort bin.

Fazit: Ich bleib hier. Punkt.

Wir sind gekommen, um zu bleiben. Und nein, ich vermisse keine S-Bahn. Kein Großstadt-Grummeln. Kein anonymer Coffee-to-go. Ich hab jetzt Erdbeerschleck im Vorratsschrank. Kunden in Oberwolfach. Und ein herzliches „Guten Morgen!“ auf dem Weg zum Briefkasten.

Und wenn das kein gutes Leben ist, dann weiß ich auch nicht.

Erdbeerschleck à la Ema – das Original mit Himbeerherz

Natürlich bekommst du hier nicht nur Geschichten übers Kinzigtal – sondern auch das Rezept zu dem 🍓🫙Schleck, der das alles überhaupt ausgelöst hat. Fruchtig, ehrlich, hausgemacht. Kein Industriegeschmack. Einfach zwei Lieblingsfrüchte, die sich in einem Topf verliebt haben.

Übrigens: Wenn du’s lieber ohne Einkochen, aber mit extra Schwung magst – aus dem gleichen Duo Erdbeere & Himbeere lässt sich auch eine herrlich rote Dessertsoße zaubern.
Perfekt für Vanilleeis, Joghurt oder als farbliches Statement auf dem Frühstücksteller.

Denn wie wir ja festgestellt haben:
Rot ist mehr als eine Farbe – Rot ist ein Lebensgefühl mit Löffel.

**Rezept: Erdbeer-Himbeer-Schleck zum Einglasen (nicht zum Kurzvernaschen)**

Zutaten:

  • 500 g Erdbeeren
  • 250 g Himbeeren
  • 500 g Gelierzucker 2:1
  • 1 Spritzer Zitrone
  • optional: 1 Hauch Vanille oder ein Minzblatt für den Frische-Kick


So wird’s richtig gut:

  1. Früchte waschen, putzen, grob zerkleinern. Himbeeren dürfen direkt rein, die sind ja von Natur aus kooperativ.
  2. Alles zusammen mit dem Zucker und dem Zitronensaft in einen großen Topf werfen und 5–10 Minuten stehen lassen – für’s Aroma und die Vorfreude.
  3. Dann aufkochen und 4 Minuten sprudelnd kochen lassen – das heißt: Deckel runter, Schürze an, und rühren wie im Hexenkessel.
  4. Wer’s fein mag, püriert. Wer’s rustikal mag, lässt’s stückig.
  5. In saubere Gläser füllen, verschließen, kurz auf den Kopf stellen (die Gläser, nicht du), abkühlen lassen – fertig!


Einsatzbereiche:

  • Auf’s Brot
  • Über Frischkäse
  • Im Joghurt
  • Als Geschenk
  • Auf Pfannkuchen
  • Direkt vom Löffel