
Warum wir das Kinzigtal lieben (auch wenn’s hier Schnooge* gibt)
Vor fünf Jahren sind wir ins Kinzigtal gezogen. Nicht wegen eines großen Plans, sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Und weil’s hier schön ist. Also so richtig schön – mit Wäldern, Hügeln, ehrlichem Vesper und sehr, sehr netten Menschen.
Was ist eigentlich „Erdbeerschleck“ – und warum will ich darin baden?

Hier im Kinzigtal heißt Erdbeermarmelade nicht Marmelade. Sondern: Erdbeerschleck. Und das ist nicht einfach ein Wort. Das ist ein Versprechen. Wenn dir jemand hier Erdbeerschleck anbietet, dann weißt du:
- die Erdbeeren waren reif,
- der Topf hat geköchelt,
- das Glas wurde liebevoll beschriftet,
- und irgendwo im Hintergrund lief SWR4.
Und das Allerbeste? Ich hab mein eigenes Rezept entwickelt. Erdbeerschleck mit Himbeeren. Zwei rote Früchtchen. Ein Topf. Keine Gnade. Ich sag’s wie’s ist: Dieser Fruchtaufstrich kann dein Leben verbessern.
Und weil Teilen bekanntlich schöner ist als nur drüber reden – das Rezept findest du gleich hier im Anschluss.
Kinzigtäler Dialekt – klingt wie Heimat, schmeckt wie Vesper
| Dialektwort | Aussprache (IPA) | Hochdeutsch | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Erdbeerschleck | [ˈɛʁt.beːɐ̯.ʃlɛk] | Erdbeermarmelade | So süß wie der Name – ganz ohne Konfitürekonferenz. 🍓 |
| Schnaigen | [ˈʃnaɪ̯.gn̩] | Naschen | Heimliches Probieren mit Genuss-Absicht. |
| Schniefferle | [ˈʃniː.fɐ.lə] | Kleines Restchen | Zu schade zum Wegwerfen – zu wenig für den Tupperdeckel. |
| Brägele | [ˈbrɛː.gələ] | Bratkartoffeln | Goldbraun, knusprig, mit Bräunungseffekt deluxe. |
| Schlabberle | [ˈʃlabɐ.lə] | Lätzchen | Pflichtausstattung für Schleckaktionen. |
| Schnoog* | [ʃnoːg] | Mücke | Die kleinen Flugnervensägen des Sommers. |
| Gruscht | [ɡʁuʃt] | Krimskrams | Alles, was „man irgendwann mal brauchen könnte“. |
| Finken | [ˈfɪŋ.kŋ̩] | Hausschuhe | Immer nur EINER da, wenn man’s eilig hat. |
| Anke | [ˈaŋ.kə] | Butter | Ohne Anke isch’s bloß a trockens Weckle. 🧈 |
| Tschoben | [ˈtʃoː.bn̩] | Jacke | „Zieh dei Tschobe o – es zieht wie Hechtsuppe!“ |
| Grisenwässerle | [ˈɡʁiː.zn̩.vɛ.sɐ.lə] | Kirschwasser | Wärmt von innen, macht Kuchen stark. 🍒 |
| Guller | [ˈɡʊ.lɐ] | Hahn | Morgens: der Boss vom Dorf. |
| Buchnabel | [ˈbuːχ.naː.bl̩] | Bauchnabel | Lieblingswort in der Kinderarztpraxis. |
| Goschenhobel | [ˈɡɔ.ʃn̩.hoː.bl̩] | Maultrommel | Klingt wie Werkzeug – ist Musik. |
| Verschnufeckle | [fɛʁ.ˈʃnuː.fɛk.lə] | Ruheplätzchen | Der gemütlichste Winkel auf der ganzen Welt. 🌲 |
| Weckle | [ˈvɛk.lə] | Brötchen | Ohne geht nix. |
| Bleche | [ˈblɛ.çə] | Bezahlen | „Wer isch mim bleche dra?“ – Klassiker im Gasthaus. |
| Beiz | [baɪ̯ts] | Kneipe / Wirtschaft | Gibt’s in jedem Ort. Und wenn nicht, fehlt was. |
| Haafe | [ˈhaː.fə] | Kochtopf | Das Ding, in dem Schleck entsteht. |
| Gugge | [ˈɡʊɡ.gə] | Tüte | Praktisch, raschelt, immer zu klein. |
| Huddle | [ˈhʊ.dl̩] | Eile, Hektik | „Numme net huddle“ = Lebensmotto des Schwarzwalds. |
| Bäuerle | [ˈbɔɪ̯.ɐ.lə] | Rülpser | „Mach kei Bäuerle am Tisch!“ – bei Oma verboten. |
| A guete Zit, ihr Lit! | [a ˈɡuə̯.tə tsɪt iːɐ̯ lɪt] | Habt eine gute Zeit, Leute! | Sympathischer kann man sich nicht verabschieden. ❤️ |
Tipp: Wer diese Wörter locker im Gespräch unterbringt, bekommt automatisch ein Stück Schwarzwaldkuchen extra. (Okay, nicht offiziell. Aber gefühlt.)
Haslach, da wo wir gerne sind!

Wir leben in Haslach. Und auch wenn wir längst nicht jeden kennen – es gibt so eine Grundfreundlichkeit, die uns gleich aufgefallen ist. Viele Menschen grüßen sich einfach. Manchmal mit einem Kopfnicken, manchmal mit einem „Guten Tag“. Das kam sofort sympathisch rüber – und hat uns von Anfang an das Gefühl gegeben, angekommen zu sein.
Aber nicht nur das: Haslach ist kompakt, charmant und praktisch. Hier haben wir alles direkt vor der Haustür – und meinen das ganz wörtlich. Vom regionalen Obst bis zum kleinen Kino. Vom Schwimmbad bis zur Lieblingsbäckerei. Vom Spazierweg in den Wald bis zur ruhigen Lebensweise, die man oft erst zu schätzen weiß, wenn man sie hat.
Wir genießen Haslach. Jeden Tag ein bisschen mehr.
Oberwolfach – das stille Highlight mit Bären und Herz

Fazit: Ich bleib hier. Punkt.
Wir sind gekommen, um zu bleiben. Und nein, ich vermisse keine S-Bahn. Kein Großstadt-Grummeln. Kein anonymer Coffee-to-go. Ich hab jetzt Erdbeerschleck im Vorratsschrank. Kunden in Oberwolfach. Und ein herzliches „Guten Morgen!“ auf dem Weg zum Briefkasten.
Und wenn das kein gutes Leben ist, dann weiß ich auch nicht.
Erdbeerschleck à la Ema – das Original mit Himbeerherz
Natürlich bekommst du hier nicht nur Geschichten übers Kinzigtal – sondern auch das Rezept zu dem 🍓🫙Schleck, der das alles überhaupt ausgelöst hat. Fruchtig, ehrlich, hausgemacht. Kein Industriegeschmack. Einfach zwei Lieblingsfrüchte, die sich in einem Topf verliebt haben.

Übrigens: Wenn du’s lieber ohne Einkochen, aber mit extra Schwung magst – aus dem gleichen Duo Erdbeere & Himbeere lässt sich auch eine herrlich rote Dessertsoße zaubern.
Perfekt für Vanilleeis, Joghurt oder als farbliches Statement auf dem Frühstücksteller.
Denn wie wir ja festgestellt haben:
Rot ist mehr als eine Farbe – Rot ist ein Lebensgefühl mit Löffel.
**Rezept: Erdbeer-Himbeer-Schleck zum Einglasen (nicht zum Kurzvernaschen)**
Zutaten:
- 500 g Erdbeeren
- 250 g Himbeeren
- 500 g Gelierzucker 2:1
- 1 Spritzer Zitrone
- optional: 1 Hauch Vanille oder ein Minzblatt für den Frische-Kick
So wird’s richtig gut:
- Früchte waschen, putzen, grob zerkleinern. Himbeeren dürfen direkt rein, die sind ja von Natur aus kooperativ.
- Alles zusammen mit dem Zucker und dem Zitronensaft in einen großen Topf werfen und 5–10 Minuten stehen lassen – für’s Aroma und die Vorfreude.
- Dann aufkochen und 4 Minuten sprudelnd kochen lassen – das heißt: Deckel runter, Schürze an, und rühren wie im Hexenkessel.
- Wer’s fein mag, püriert. Wer’s rustikal mag, lässt’s stückig.
- In saubere Gläser füllen, verschließen, kurz auf den Kopf stellen (die Gläser, nicht du), abkühlen lassen – fertig!
Einsatzbereiche:
- Auf’s Brot
- Über Frischkäse
- Im Joghurt
- Als Geschenk
- Auf Pfannkuchen
- Direkt vom Löffel